Animal Hoarding ist eine Sonderform des Messie Syndroms (Hoarding Disorder, ICD 10, Ziffer 6B24), betroffene Menschen sammeln aufgrund ihrer psychischen Erkrankung krankhaft viele Tiere.

Was für Tiere werden gesammelt?

Am häufigsten werden Katzen, Hunde, Kaninchen und Ziervögel gesammelt. Aber auch landwirtschaftliche Nutztiere werden Opfer von Animal Hoardern und werden meist noch viel später oder gar nicht mehr gefunden.
Die Animal Hoarder verlieren die Kontrolle über Ihre Tiersammelsucht. Sie verlieren vollkommen den Blick dafür, wie schlecht es ihren Tieren geht. Sie können nicht erkennen, dass ihre Tiere verdreckt, verstört, hungernd oder durstend sind. Auch Urin, Kot, Futterreste und sogar tote Tiere werden nicht bemerkt oder als störend empfunden, sie liegen einfach da wo sie meist qualvoll verendet sind. Einige Animal Hoarder haben oft kein Verständnis dafür, dass ihre Tiere sterbenskrank sind, dringend Hilfe brauchen und der ursprüngliche Anschaffungsgrund, die Tierliebe, ist ihnen völlig abhanden gekommen.
Animal Hoarder sind meist schwer traumatisiert!
Animal Hoarder haben häufig schon in der Kindheit traumatische Erfahrungen mit Bindungspersonen gemacht und konnten enge Bindungen nur zu ihren Haustieren aufbauen. Ihnen sind ihre Tiere sehr wichtig und sie empfinden häufig eine sehr enge Beziehung zu ihren Haustieren (zumindest zu Beginn der Sammelsucht).
Die Tiere werden der Lebensinhalt der Animal Hoarder, sie ziehen den Kontakt mit ihren Tieren dem Kontakt mit der Außenwelt und anderen Menschen vor.
Dreiviertel aller Animal Hoarder sind Frauen mittleren Alters, aber es gibt auch Familien, die Tiere sammeln und auch „professionelle“ Animal Hoarder, die z.B. aktiv im Tierschutz sind und dann krankhaft eskalieren.

Abwärtsspirale und Teufelskreis
Werden weitere schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, intensiviert sich diese Tendenz, Betroffene ziehen sich zurück und sammeln mehr Tiere, bzw. bekommen mehr Tiere.
Tiere werden vermenschlicht, nicht kastriert und so werden es schnell immer mehr. Kontakte zu Menschen werden immer weniger oder abgebrochen. Es folgt der völlige Kontrollverlust, der schleichend vor sich gehen kann, es wird nicht mehr sauber gemacht, die tiermedizinische Versorgung bleibt aus, die Tiere haben immer weniger Platz, dürfen sich in der Regel aber überall aufhalten – auch die Tierhalter/innen haben fast keinen Platz mehr zum Leben, schlafen in Ecken und Nischen zu menschen- und tierunwürdigsten Bedingungen.
Die Animal Hoarder sehen häufig nicht, dass es ihren Tieren nicht mehr gut geht, manchmal trauen sie sich aber niemanden mehr um Hilfe zu fragen, weil die Überforderung und die Scham übergroß sind. Es gibt aber auch einige Animal Hoarder, die völlig uneinsichtig sind und die auch keine emotionale Nähe mehr zu ihren Tieren haben oder nie hatten.
Wohnung, Haus und/oder Hof verwahrlosen erbärmlich, die Zustände werden unerträglich für alle Beteiligten.
Animal Hoarder wissen nicht, wie ein gesundes Tier aussieht, sie sehen die offensichtlichen Zustände überhaupt nicht mehr und lenken, darauf angesprochen, auch nicht ein, sondern verteidigen die Umstände vehement. Der Umgang mit ihnen fordert den Helferinnen und Helfern deshalb einiges ab.

Animal Hoarder sind auch im „Tierschutz“ zu finden!
Einige Animal Hoarder betreiben ihre Erkrankung „erfolgreich“, werden sogar von Geldgebern und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern tatkräftig unterstützt. Dadurch ist die Verwahrlosung gebremster und fällt nicht gleich so auf. Es gibt nicht wenige Fälle, in denen auch in eingetragenenen Tierschutzvereinen Animal Hoarding betrieben wurde und die Behörden diese Vereine aktiv auflösen und begleiten mussten, damit die Betreiber und Betreiberinnen in ihrem Tiersammelwahn gestoppt werden konnten.
Es sind also nicht immer nur die introvertierten alleinstehenden älteren Frauen, die Tiere sammeln, sondern es gibt auch Fälle, in denen sich einzelne Personen aktiv in den Vordergrund stellen, Tierheime besuchen, dort Tiere abholen und dafür lange Zeit gefeiert werden.
Auch Behörden lieferten in der Vergangenheit schon Sicherstellungshunde an Animal Hoarder, ehe auffiel, dass sie „professionelle“ Animal Hoarder sind.

Hilfe für Animal Hoarder
Animal Hoarder benötigen in aller erster Linie psychotherapeutische Hilfe. Hier gibt es aber keine spezialisierten Angebote und damit auch keine allgemeine Therapie.
Sind sie nicht einsichtig, kann man sie auch nicht professionell unterstützen, aber der Versuch sollte immer unternommen werden.
Nachbarn, Freunde oder Familie können das aber nicht leisten,und sollten es auch nicht leisten müssen, denn die Zustände sind extrem belastend! Man kann immer das zuständige örtliche Veterinäramt informieren und beim Sozialen Dienst nachfragen, wie Hilfe für Betroffene organisiert werden kann.
Wenn Animal Hoarder nicht einsichtig sind, sich selbst als Retter und Retterinnen der Tiere sehen und überhaupt keine Empathie gegenüber den Tieren mehr empfinden können, die unter der Vernachlässigung leiden oder gelitten haben, dann ist eine Therapie ohnehin schwierig. Therapeuten haben keine empirischen Daten, mit deren Hilfe sie eine Therapie durchführen könnten.
Einige Animal Hoarder ziehen dann immer wieder um, sind im neuen Landkreis unbekannt, so dass das Drama durch einen Ortswechsel nur wieder von Vorne beginnt. Würden die zuständigen Behörden untereinander vernetzter und besser arbeiten, könnte man Betroffene auch nach einem Umzug direkt identifizieren und präventiv handeln, bevor die Zustände für alle Betroffenen wieder untragbar werden.

Hilfe für Tiere aus Animal Hoarding Fällen
Heim- und Pensionstierpflegerinnen und Pfleger bergen, transportieren, assistieren bei der medizinischen Versorgung, pflegen und päppeln die geretteten Tiere und erhalten im Anschluss selten Unterstützung und müssen mit dem Gesamteindruck meist selbst fertig werden.
In vielen Fällen steigen Tierpfleger und Pflegerinnen über sehr viele tote Tiere, den Gestank, den man mit nach Hause nimmt, der über Tage an einem haftet und nicht weg gewaschen werden kann, ist unvorstellbar.
Es gibt mehr oder weniger schlimme Animal Hoarding Fälle, und keiner ist wie der andere!
Unsere Schützlinge aus Animal Hoarding Fällen sind in wirklich erbarmungswürdigen Zuständen, halb verhungert, halb verdurstet und, obwohl endlich gerettet, teilweise schreckhaft, ängstlich, verstört. Es dauert Wochen oder Monate, um das Vertrauen aufzubauen und das Verhalten der Tiere positiv zu beeinflussen.
Fahrzeuge, Transportboxen, Tierarzträume und Boxen müssen stunden- und tagelang komplett gereinigt werden, nachdem die Tiere angekommen sind. Die Tiere selbst müssen auch Stück für Stück gewaschen, geschoren, und gesund gepflegt werden. Die Keime, die in die Tierhaltung mitgebracht werden, sind extrem pathogen, das Infektionsrisiko beim Kontakt ist nicht zu unterschätzen.
Nicht alle Tiere können rechtzeitig medizinisch versorgt werden und es bleibt nur noch die Euthanasie.

Hilfe für Tierpflegende
Aufgrund unserer beruflichen Professionalität können wir während unseres Einsatzes kein schlechtes Menschenbild bestätigt sehen, sondern müssen höflich und sachlich mit den Haltern umgehen, mit ihnen reden, nachfragen und ihnen erklären, was passiert und dass wir die Tiere gut weiter versorgen.
Wenn Animal Hoarder ein gutes Gefühl zu uns haben, kooperieren sie und das kann Tierleben retten!
Wenn der Einsatz beendet ist, kann, darf oder sollte sich jeder auskotzen können, am besten bei Kollegen, Kolleginnen, oder eben auch im privaten Umfeld. Eine Mitarbeiterbesprechung hilft in vielen Fällen schon sehr, um mit der Situation umzugehen.
Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen haben gegenüber ihren Mitarbeitenden eine Fürsorgepflicht und müssen schwierige Einsätze dokumentieren. Sie müssen auch psychologische Unterstützung organisieren, wenn das gewünscht ist.

Arbeit der Behörden
In der Regel können die Animal Hoarding Tiere nur von Amts wegen beschlagnahmt werden, wenn Amtsveterinäre und Veterinärinnen dies veranlassen. Da die Problematik bekannt ist, gibt es immer mehr Veterinäre und Veterinärinnen, die den Animal Hoardern auch einen gewissen Tierbestand lassen und nur den Großteil beschlagnahmen und in Tierheimen und Pensionen unterbringen.
Die Animal Hoarder behalten dann die „wichtigsten“ Tiere und werden in der Folge unterstützt, erhalten psychologische Hilfe und werden im Anschluss regelmäßig kontrolliert. Das kann gut klappen, denn auch wenn die Personen nicht geheilt werden können und immer wieder zum Sammeln neigen, können die Tiere sehr viel schneller sichergestellt werden und sind in sehr viel besserer Verfassung.
Das spart auch enorm viele Kosten!
Da Animal Hoarding vermutlich, nach aktuellem Erkenntnisstand nicht heilbar ist, ist dieser Weg, wenn er im Einzelfall möglich ist, für alle Beteiligten oft die beste Lösung. So können die Tiere dann auch kastriert werden und erhalten die Versorung, die sie brauchen. Denn nochmal: Animal Hoarder möchten ihre Tiere eigentlich gerne behalten und auch gut versorgen können – sie haben es aufgrund ihrer Erkrankung aber nicht geschafft.
Erhalten Sie Hilfe, kann sich die Situation verbessern. Erhalten sie keine Hilfe, fangen sie zwangsläufig von vorne an und ziehen im Notfall auch einfach um, wo sich das Drama bis zu seiner Entdeckung wiederholt.
Die Tierheime, die Animal Hoarding Fälle aufnehmen und versorgen, bleiben nicht selten auf den entstandenen Kosten sitzen.

Zahlen, Daten, Fakten & Quellen
- 2/3 – ¾ aller Animal Hoarder sind Frauen, meistens Alleinstehende, aber es gibt auch Familienstrukturen, die Generationen übergreifend erkrankt sein können.
- Jedes zweite Veterinäramt in Deutschland hat mit Animal Hoarding zu tun
- In Deutschland erschien 2012 die erste und bislang einzige Studie zum Thema Animal Hoarding bei der TiHo Hannover von der Tierärztin von Tina Susanne Sperlin
- In den USA wurde 1999 von Gary Patronek eine Untersuchung veröffentlich und Animal Hoarding erstmals formuliert.
- Der Deutsche Tierschutzbund erhebt seit 2008 Daten zu Animal Hoarding Fällen, wertet sie aus und veröffentlicht diese auch regelmäßig.

